Green fields seeing from above

05. Dezember: Weltbodentag

Anlässlich des Weltbodentags am 05. Dezember finden jedes Jahr neue zahlreiche Aktionen statt, um auf die lebenswichtige Bedeutung von Böden aufmerksam zu machen. Diesen Anlass möchte auch die Abteilung Umweltplanung von AFRY nutzen, um auf die Unverzichtbarkeit intakter und vielseitiger Böden für den Klima- , Natur- und Artenschutz hinzuweisen.

Feld mit Boden
In einer Handvoll Erde leben ungefähr acht Milliarden Lebewesen!

Tatsache ist: Ohne Boden wäre kein Leben außerhalb von Gewässern denkbar. Er dient der Lebensmittelversorgung, filtert Schadstoffe und schützt das Grundwasser.

Boden ist darüber hinaus einer der belebtesten Lebensräume der Erde. Unter der Erdoberfläche herrscht eine sehr viel höhere Artenvielfalt als darüber. Die Erforschung des Lebensraums Boden und seiner Lebensraumfunktion in Hinblick auf die Bodenorganismen wurde lange Jahre vernachlässigt. Dieses Versäumnis ist gravierend, denn im lebendigen Gefüge von aktiven Organismen steckt eine bedeutsame Qualität des Bodens. Nicht zuletzt auch durch die Recyclingleistung der Mikroorganismen und größeren Bodentiere, ohne die die Erde von einer dicken Schicht aus organischem Material bedeckt wäre. Durch Verschmutzung, Versiegelung, landwirtschaftlichen Umbruch oder Entfernung von Vegetation können Bodenschichten und Bodenfunktionen eingeschränkt werden oder vollständig verloren gehen.

Der Boden des Jahres 2021 – Der Lössboden

In Deutschland steht dieses Jahr in zahlreichen Veranstaltungen der Boden des Jahres – der „Lössboden“ – im Fokus des Weltbodentags. Der Begriff „Lössboden“ fasst verschiedene Böden zusammen: Die Böden Pararendzina, Schwarzerde, Parabraunerde, Kolluvisol und Stauwasserboden (Pseudogley) weisen eine hohe Wasserspeicherkapazität sowie – mit Ausnahme des Stauwasserbodens – eine hohe Ertragsfähigkeit auf. Lössböden sind zudem leicht durchwurzelbar, gut durchlüftet und können ausreichend Nährstoffe speichern und an die Bodenlösung wieder abgeben. Das Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland erstreckt sich am Nordrand der Mittelgebirge und kommt somit nördlich von Hannover kaum vor.

Als eines der wertvollsten Ausgangsgesteine für ertragreichen Ackerbau ist Löss vor allem vor intensiver Bodennutzung und starkem Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen zu schützen. Die zu Erosion neigenden und verdichtungsempfindlichen Lössböden erfordern besondere Rücksicht bei Bauvorhaben.

Feldhamster
Lössboden und Feldhamster

Neben den oben genannten Bodenfunktionen nimmt der Lössboden auch einen besonderen Stellenwert als Lebensraum des Feldhamsters ein. Der Feldhamster ist ein Kulturfolger und erst mit der landwirtschaftlichen Erschließung nach Europa gekommen. Ursprünglich war er nur in den Steppen Osteuropas beheimatet. Er ist auf tiefgründige und grabfähige Böden mit niedrigem Grundwasserstand angewiesen, um seine Baue auf unseren Äckern anzulegen. Somit eignen sich gerade Schwarzerden, Parabraunerden und ihre Mischformen mit den genannten Eigenschaften besonders gut zur Anlage der Sommer- und Winterbaue.

Der Feldhamster ist, genau wie der Lössboden, stark durch den Flächenverlust durch Industrie- und Wohngebiete beeinträchtigt und ist auch aufgrund dessen in der Roten Liste Deutschlands (2020) als „vom Aussterben bedroht“ gelistet und laut IUCN Red List als „critically endangered“ eingestuft.

Neben dem Flächenverlust trägt auch die räumliche Zerschneidung, z. B. durch den Bau breiter Straßen, zur Dezimierung des Feldhamsters bei, da so Populationen getrennt werden und eine genetische Verarmung der nun weniger überlebensfähigen Teilpopulationen einsetzt. Da der Lebensraum des Feldhamsters, die fruchtbaren Lössböden, in der Regel intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, liegt hier ein weiterer Grund für den Rückgang der Nager. Durch die immer früheren Erntetermine mit geringeren Verlusten und immer schnelleren Flächenumbrüchen bleibt dem Feldhamster kaum ausreichend Zeit, um nach der Reproduktion und Jungenaufzucht noch ausreichend Wintervorrat einzutragen, während ihm bereits die Deckung vor Feinden (z. B. aus der Luft) fehlt.

Auch zum Schutz des Feldhamsters ist es besonders wichtig, den Flächenverlust zu stoppen oder zu­mindest zu reduzieren, um den Lebensraum zu er­halten. Eine weitere Maßnahme, um den Feldhamster gerade bei dem Eintrag des Wintervorrats zu unterstützen, ist das Belassen eines Nachernte­streifens z. B. bei der Getreideernte, um dem Feld­hamster noch bis in den Oktober das Hamstern zu ermöglichen und ein Verhungern im Winter zu verhindern.

Soil
Bloß nicht den Boden unter den Füßen verlieren – AFRY unterstützt Sie bei der Genehmigungsplanung

Boden ist als Umweltschutzgut im Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung fest verankert und damit in der Genehmigungsplanung von Vorhaben innerhalb der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und/ oder dem Landschaftspflegerischen Begleitplan (LBP) zu bewerten.

AFRY trägt zum Schutz des Bodens und dem Erhalt der Bodenvielfalt und der Bodenfunktionen bei, indem sie Vorhabenträger in ganz Deutschland in der Genehmigungsplanung berät.

Dazu gehören bspw. das Identifizieren schutzwürdiger und seltener Böden und die Prüfung der Möglichkeiten des Ausschlusses dieser aus dem Planungsbereich sowie das Festsetzen für einen verträglichen Umgang mit Böden, durch den dessen Verschmutzung, Versiegelung und Verdichtung vermieden oder wenigstens vermindert werden kann.

Auch faunistische Kartierungen und die artenschutzrechtliche Betrachtung – zum Beispiel des Feldhamsters – übernimmt AFRY für Vorhabenträger. Darauf aufbauend wird zudem eine Eingriffsbewertung und Maßnahmenplanung im Artenschutzfachbeitrag (AFB) von AFRY übernommen, ebenso wie die Begleitung und Umsetzung von Maßnahmen (beispielsweise Umsiedlung von Feldhamstern) innerhalb der Umweltfachlichen Bauüberwachung (UBÜ). Ziel ist dabei immer die natur- und artenschutzrechtlich abgesicherte Umsetzung des Vorhabens.

Zu den Aktionen des Weltbodentags siehe u.a. auch die Seite des BMU: https://www.bmu-kids.de/aktiv/ aktuelles/jahrestage/5-dezember-weltbodentag.

Autoren: M.Sc. Bettina Meyer und M. Sc. Maren Darnauer

Kontakt für weitere Informationen

Christoph Faas - Department Head Environmental Engineering, Hannover, Germany

Christoph Faas

Abteilungsleiter Umweltplanung Hannover

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