AFRY Gartenrotschwanz

Kartierungen im Wandel der Zeit: Über Herausforderungen und den Einsatz neuer Hilfsmittel

Written by Maria Holschuh
29/06/2022

Kartierungen im Wandel der Zeit

Kartierungen, also die Bestandsaufnahme von Flora und Fauna in einem Gebiet, sind regelmäßig für Genehmigungen von Bauvorhaben notwendig. Dabei werden standardisierte wissenschaftliche Methoden angewendet, die nun mit der voranschreitenden Digitalisierung um digitale Komponenten erweitert werden.

Rechtliche Regularien und Systematiken

Laut Bundesnaturschutzgesetz darf sich der Ist-Zustand der Umwelt nicht verschlechtern. Bei Bauvorhaben sind dementsprechende umweltfachliche Gutachten, wie bspw. der Landschaftspflegerische Begleitplan oder der Artenschutzfachbeitrag, bei einem Genehmigungsantrag vorzulegen. Dazu werden Bestandsaufnahmen im Rahmen von Kartierungen durchgeführt. Hierzu werden die Flächen in sogenannte Biotoptypen nach der jeweils gültigen Landeskompensationsverordnung gegliedert und der Einwirkbereich des Vorhabens systematisch nach Pflanzen und Tierarten untersucht. Abhängig von vorhandenen Strukturen, der Vegetation oder Gewässern, werden dabei zusätzlich Artgruppen wie Vögel, Säugetiere, Amphibien, Reptilien, Schmetterlinge und Insekten betrachtet. Die Hauptkartiersaison liegt dementsprechend zwischen Februar und September, innerhalb der Wachstumsphase der Vegetation sowie Hauptaktivitätszeit der meisten Tierarten. Innerhalb dieses Zeitraums werden pro Artgruppe bis zu sechs Durchgänge durchgeführt, um ein Vorkommen zu validieren.

Besonderheiten je nach Artengruppe

Während bei Pflanzen hauptsächlich auf ihre phänologische Entwicklung innerhalb eines Jahres geachtet werden muss, sind bei Tieren je nach Artgruppe mehrere Faktoren wie Uhrzeit, Wetterverhältnisse und die unterschiedlichen Hinweise auf ein Vorkommen zu beachten: eine sogenannte Brutvogelkartierung wird in den frühen Morgenstunden durchgeführt. Fledermäuse hingegen werden erst mit Sonnenuntergang aktiv. Bei beiden Tiergruppen sowie auch bei Amphibien, wird ein Vorkommen hauptsächlich akustisch festgestellt. Bei Reptilien hingegen ist besonders die Wetterlage zu beachten. Nachdem diese wechselwarm sind, ist eine Kartierung ausschließlich bei milden Temperaturen möglich. Bei Insekten wiederrum ist ein Nachweis nicht nur durch das eigentliche Individuum möglich, sondern auch durch Rückstände nach der Häutung oder Eier. Ein Nachweis findet also hauptsächlich visuell statt.

Kartierung: Eine zeitintensive Maßnahme

Je nach Gebietsgröße bedeutet eine Kartierung zusätzlich einen hohen zeitlichen Aufwand. Eine sorgfältige Planung der Begehungen ist also unumgänglich. Mit der voranschreitenden Digitalisierung ändert sich jedoch zunehmend das Equipment und die Effizienz. Bereits jetzt kommen Applikationen (kurz Apps) auf dem Smartphone zum Einsatz. Eine Verortung des Fundes kann dadurch direkt auf einer digitalen Karte vorgenommen werden, wodurch das Eintragen auf einer ausgedruckten Karte und nachträgliche Digitalisieren im Büro entfällt. Auch die Orientierung im Projektgebiet wird mittels GPS erleichtert. Für die Bestimmung von Pflanzen- und Vogelarten wurden bereits Apps, wie bspw. Flora Incognita oder Merlin Bird ID entwickelt, die in der Lage sind anhand von Fotos und Aufnahmen des Gesangs die Art zu bestimmen.

Um Fledermäuse auf Artebene nachzuweisen ist es notwendig, die Ortungs- und Sozialrufe zu analysieren. Für die Aufnahme solcher Rufe kommen bereits heutzutage sogenannte Batcorder und Horchboxen zum Einsatz. Bei letzterem handelt sich um automatische Aufnahmegeräte, die im Projektgebiet aufgehängt werden. Die Ermittlung der Art findet am Computer mithilfe einer Software statt. Dadurch sind umfassende Bestandsaufnahmen möglich. In der Zukunft ist der Einsatz solcher Horchboxen auch für die Brutvogelkartierung denkbar. Mithilfe dieser kann nicht nur der Zeitaufwand verringert, sondern auch die Qualität erhöht werden, da eine Erfassung über einen längeren Zeitraum am gleichen Ort möglich ist.

Für die Bestandsaufnahme von Biotoptypen können Drohnen eingesetzt werden. Dadurch ist der Kartierende in der Lage, selbst unzugängliche Orte zu begutachten. Auch hierbei bestehen durch die höhere Effizienz sowie die detaillierte Dokumentation des Ist-Zustands Vorteile gegenüber der herkömmlichen Methode des Abschreitens.

Neben digitalen Methoden werden noch weitere Möglichkeiten der Bestandsaufnahme erforscht.

Analoge & digitale Maßnahmen liefern ein umfangreiches Bild bei Kartierungen

Ein hervorzuhebendes Beispiel ist hierbei der Einsatz von sogenannten Artenschutzspürhunden. Diese werden auf den Geruch bestimmter Tier- und Pflanzenarten, wie Feldhamster, Fledermaus oder Ambrosia, trainiert. Nach dem Anzeigen des Hundes durch ein antrainiertes Hinsetzen werden die entsprechenden Nachweise dokumentiert. Diese Art der Kartierung wird derzeit auf ihre Eignung als Ergänzung durch ehrenamtliche Vereine überprüft.Die Experten bei AFRY führen vor allem Biotoptypen- und Tierkartierungen zu verschiedenen Infrastrukturvorhaben in ganz Deutschland durch. Dabei werden von den Kartierenden bereits digitale Hilfsmittel, wie die beschriebenen Apps auf dem Smartphone sowie Horchboxen zur Aufzeichnung von Fledermäusen verwendet. Besondere Herausforderungen stellen dabei vor allem schlecht zugängliche Bereiche, wie Privatgrund oder stark bewachsene Gebiete dar.

AFRY Gartenrotschwanz
Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) auf einem Kirschbaum, ©Laura Leix

Die Verwendung von weiteren Hilfsmitteln wird deshalb ständig überprüft. Dadurch garantiert AFRY den Auftraggebern eine möglichst effiziente aber auch fachlich korrekte Bestandsaufnahme.

Autorin: Nicole Reger

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Clarissa Mathieson - Co-Abteilungsleiterin Umweltplanung München

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