Bikes in a city.

Wie passt das Auto in die nachhaltige Stadt der Zukunft?

Wie passt das Auto in die nachhaltige Stadt der Zukunft?

Elektrifizierung, Selbstfahrtechnologie, neue Mobilitätsmodelle; die Automobilbranche erfährt bahnbrechende Transformationen. Beflügelt von den aufkommenden Technologien werden wir von futuristischen Fahrzeugkonzepten fasziniert. Vor allem das Entfernen des Fahrers aus dem Auto wirft die Frage auf, ob die zukünftigen Fahrzeuge überhaupt noch als Autos bezeichnet werden sollten. Von der Veränderung der Art und Weise, wie wir unsere Zeit im Auto verbringen, über das Umdenken des Autos als Raum auf Rädern bis hin zu einer selbstfahrenden Raumklinik, die zu einem Termin zu Ihnen kommt. Und was ist mit den fliegenden Autos, die uns schon vor Jahrzehnten versprochen wurden? Wo sind die Grenzen?

Mit Blick auf das Jahr 2050 scheinen die Möglichkeiten endlos zu sein, die uns die Technologie bietet. Damit wird eine Vorhersage von zukünftigen Entwicklungen erschwert – man könnte sogar sagen, sie sind unvorhersehbar. Wenn man sich auf eine Reise ins Unbekannte begibt, muss die Sinnhaftigkeit uns leiten. So wie ein Zimmermann seinen Hammer nicht fragt, was er machen soll, sollten wir nicht auf technologische Trends schauen und daraus die Zukunft ableiten. Stattdessen sollten wir uns fragen, was wir eigentlich erreichen wollen. Für AFRY ist das Ziel klar: Wir wollen den Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft beschleunigen. Und wenn man sich die Nachhaltigkeitsziele ansieht, die wir uns gemeinsam gesetzt haben, gibt es einiges zu tun. Wie kann somit die automobile Welt einen Beitrag zur nachhaltigen Stadt leisten?

Technologie als Treiber für nachhaltige Mobilität

In vielerlei Hinsicht kann die aufkommende Technologie ein starker Verbündeter sein, um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

  • Die Elektrifizierung ist ein wichtiger Schritt, um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Die Verringerung von Abgasen wird eine starke Verbesserung der Luftqualität in unseren Städten bewirken.
  • Die Selbstfahrtechnologie wird die Verkehrssicherheit erhöhen, sobald sie ausgereift ist. Mit einer 360°-Sicht, der Fähigkeit, mit anderen Fahrzeugen und der Umgebung in Echtzeit zu kommunizieren und zahllosen anderen übermenschlichen Fähigkeiten unterstützen Künstliche Intelligenz-Fahrende uns dabei, das Ziel der Vision Zero zu erreichen.
  • Autonome Fahrzeuge werden keine Parkplätze in den Innenstädten benötigen und somit Platz für Dinge schaffen, die eine Stadt lebenswerter machen.
  • Autonome Fahrzeuge öffnen die Tür für Menschen mit Mobilitätsbarrieren, einschliesslich älterer Menschen (eine wachsende Bevölkerungsgruppe), Menschen mit Beeinträchtigungen und Randgruppen.
  • Mobilität als Dienstleistung soll die Kosten für eine Fahrt unter die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel senken, was dazu beitragen könnte, die Barrieren der sozialen Ungleichheit abzubauen.

Braucht eine nachhaltige Stadt Autos?

Die Stadtplaner sind nicht gerade davon begeistert, die neue Generation von Autos in ihrer Städteplanung zu berücksichtigen. Wie unsere Umfrage zu den Städten der Zukunft zeigt, sollte eine lebenswerte Stadt sicher und sauber sein und reichlich Grünflächen umfassen. Das Auto, wie wir es kennen, hat einen negativen Einfluss auf alle diese Aspekte. Ob das Auto der Zukunft die Stadt lebenswerter machen kann, muss sich erst noch zeigen. Ein oft genanntes Beispiel ist, dass das Auto eine erschwinglichere und leichter zugängliche Optionen als der Fussweg oder das Fahrrad ist. Leider hat diese Option auch das Potenzial, Stauprobleme explosionsartig zu verschlimmern. Um Björn Siesjö, Stadtarchitekt der Stadt Göteborg, zu zitieren: „Jedes Konzept, welches den Verkehr erhöht, ist von Natur aus nicht nachhaltig.“

Werfen wir einen Blick auf die Perspektive von Stadtplanern zur zukünftigen urbanen Mobilität, um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, was die zukünftige nachhaltige Stadt braucht. Stadtplanung ist von Natur aus langfristig ausgerichtet. Mobilität wird nicht als Ziel an sich betrachtet, sondern eher als Mittel, um den Zugang zu grundlegenden Annehmlichkeiten zu ermöglichen.

Bike

Ein gutes Beispiel dafür, wie Stadtplaner die städtische Umwelt verändern wollen, ist die 15-Minuten-Stadt – ein zeitgenössisches Konzept, bei dem die Bevölkerung innerhalb von 15 Minuten zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln Zugang zu den wichtigsten Dienstleistungen hat. Übrigens: Autos spielen in diesem Konzept keine Rolle – schon gar nicht in Privatbesitz.

Es ist klar, dass Technologie nicht notwendigerweise alle Herausforderungen einer lebenswerteren Stadt lösen wird. In mancher Hinsicht könnte dies sogar zu exponentiell schlimmeren Bedingungen führen. Das ist kein Grund, auf neue Technologien zu verzichten, aber es erfordert eine ganzheitlichere Sichtweise, wenn wir neue Lösungen für unsere Städte konzipieren.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem, was die Automobilindustrie anstrebt, und dem, was die Bevölkerung der Städte sich wünscht. Es gibt jedoch gute Argumente dafür, dass die nachhaltige Stadt von einer besseren Zusammenarbeit zwischen den beiden profitieren kann. Erstens wird die Stadt auch im Jahr 2050 noch Autos brauchen. Obwohl es überzeugende Argumente dafür gibt, dass die 15-Minuten-Stadt auch für dicht bebaute Städte wie Paris funktionieren wird, ist es in Städten mit einer grossen Agglomeration wahrscheinlich, dass das Auto ein wichtiges Verkehrsmittel bleiben wird. Auf der anderen Seite braucht die Automobilindustrie auch die Kooperation mit den Städten. Die Akzeptanz neuer Technologien hängt weitgehend von der Politik und der Bereitschaft der Bevölkerung ab, diese zu fördern.

Die Automobilindustrie hat die grosse Chance, eine führende Rolle zu übernehmen. Die nachhaltige Stadt benötigt Verkehrssysteme, die sicher, erschwinglich und für alle zugänglich sind. Der erste Schritt in Richtung dieses Ziels besteht darin, sich Lösungen vorzustellen, die angestrebt werden können. Die Automobilindustrie war schon immer aussergewöhnlich gut im Erfinden ihrer Version der Zukunft. Es liegt an ihr, zu zeigen, dass das Auto der Zukunft seine Bereicherung hat, um die Stadt lebenswerter zu machen.

Die in diesem Text geäusserten Meinungen sind die des Autors.

Kontakt

Marijn Molenaar

Industrial Designer