Wie passt das Auto in die nachhaltige Stadt der Zukunft?
Wie bewegen wir uns zukünftig im urbanen Raum?
Elektrifizierung, autonomes Fahren, neue Verkehrskonzepte - die Mobilitätsbranche durchlebt derzeit bahnbrechende Transformationen. Doch wird das Auto auch zukünftig einen Platz in unseren Städten finden?
Für viele Deutsche ist das Auto weit mehr als ein Fortbewegungsmittel: Es verspricht Freiheit, Flexibilität, Komfort – und für manche auch einen gewissen Lebensstandard. Doch mit Blick auf Klimaziele und neue Stadtkonzepte fragen wir uns zunehmend: Müssen wir uns wirklich vom motorisierten Indivdualverkehr verabschieden? Oder findet das Auto doch seinen Platz in der Stadt der Zukunft? Ein Meinungsbeitrag.
Für viele Deutsche ist das Auto weit mehr als ein Fortbewegungsmittel: Es verspricht Freiheit, Flexibilität, Komfort – und für manche auch einen gewissen Lebensstandard. Doch mit Blick auf Klimaziele und neue Stadtkonzepte fragen wir uns zunehmend: Müssen wir uns wirklich vom motorisierten Indivdualverkehr verabschieden? Oder findet das Auto doch seinen Platz in der Stadt der Zukunft?
Rettet Technologie das Auto?
Aufkommende Technologien im Mobilitätssektor haben uns einen historischen Umbruch versprochen:
- Die Elektrifizierung sollte als wichtiger Baustein dabei unterstützen, die Netto-Null-Emissionen bis 2050 zu erreichen. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass sich Abgase in der Stadt verringern und damit die Luftqualität steigt. Dabei sind nicht nur private PKW gemeint, sondern auch elektrifizierte Liefer- und Handwerkerfahrzeuge. Sie fahren nahezu geräuschlos und können damit auch nachts in Innenstädte fahren, ohne die Anwohnenden zu stören.
- Autonome Fahrzeuge sollten die Verkehrssicherheit erhöhen. Mit einer 360°-Sicht, der Fähigkeit, mit anderen Fahrzeugen und der Umgebung in Echtzeit zu kommunizieren und zahllosen anderen Fähigkeiten sollten KI-Fahrende uns dabei unterstützen, Unfälle zu vermeiden.
- Sie benötigen außerdem keine Parkplätze in den Innenstädten und ließen – so die Theorie – somit mehr Platz für Begegnungen, Grünflächen oder Gastronomie.
- Autonome Fahrzeuge sollten Mobilität für Menschen mit Einschränkungen inklusiver machen.
Die Hoffnungen waren groß. Fakt ist aber, dass viele dieser Ideen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Autos fahren noch immer nicht autonom, die Neuzulassungen für E-Autos steigen nur leicht und auch 2024 kamen im Schnitt 580 Autos auf 1.000 Personen. Die Idee, dass technologische Innovationen allein das Auto "retten" und gleichzeitig die Städte entlasten könnten, erweist sich als trügerisch.
Das Platzproblem
Egal ob mit Verbrennungsmotor oder Elektroantrieb, autonom oder mit Fahrer: Autos beanspruchen viel Platz. Und der ist in unseren Städten ein knappes Gut. Durchschnittlich steht ein Privat-Pkw 23 Stunden am Tag ungenutzt herum, meist im öffentlichen Raum. Mit allen Konsequenzen: versiegelte Flächen, blockierte Gehwege, weniger Raum für Grün, Begegnungen oder Gastronomie.
Selbst das effizienteste, emissionsfreie Auto löst dieses Problem nicht, wenn es weiterhin privat besessen und genutzt wird. Mehr Autos bedeuten mehr Stau, mehr Konkurrenz um Raum und weniger Lebensqualität für Stadtbewohner.
Globale Mobilitätstrends
Eine Studie des Zukunftsnetz Mobilität NRW, die 794 Städte in 61 Ländern untersuchte, zeigt: In Großstädten mit langen Wegen und dichter Bebauung sind Autofahrten seltener; Menschen nutzen hier öfter den ÖPNV.
Hinzu kommt, dass die Wahl des Verkehrsmittels häufig mit dem Einkommen korrelliert. In Städten mit hohem Einkommen nutzen Menschen häufiger den eigenen PKW und selterner Bus und Bahn.
Braucht eine nachhaltige Stadt überhaupt noch Autos?
Vor allem in Europa wünscht sich ein Großteil der Menschen heute sichere und saubere und vor allem grüne Städte. Wie passt das mit dem zunehmenden Individualverkehr zusammen?
Städte wie Paris, Barcelona oder Amsterdam fahren einen strikten Kurs und haben Autos den Kampf angesagt: durch die Reduktion von Parkplätzen, autofreie Zonen, breitere Radwege und Fußgängerbereiche. Mit gutem Erfolg. Obwohl die Maßnahmen zuerst auf Widerstand trafen, werden sie heute gut aufgenommen.
Dort, wo früher eine Autospur verlief, sitzen heute Menschen im Straßencafé oder Kinder auf einem Spielplatz. Die Umwidmung von Fläche hat unmittelbaren Einfluss auf die Lebensqualität und Attraktivität der Städte.
Die 15-Minuten-Stadt
Das Konzept, das dahinter steht, ist die 15-Minuten-Stadt: Alle lebenswichtigen Einrichtungen – Arbeitsstätten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte – sollen innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sind. Ergänzt wird das Mobilitätskonzept durch flexible Sharing-Angebote und den ÖPNV. Das Auto wird hier zum Nebenspieler.
Werden wir in Zukunft noch Autos besitzen?
Es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem, was die Automobilindustrie anstrebt, und dem, was sich die Stadtbevölkerung wünscht. Es gibt jedoch gute Argumente dafür, dass die nachhaltige Stadt von einer besseren Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien profitieren würde.
Auf der einen Seite wird die Stadt auch im Jahr 2050 noch Autos brauchen. So überzeugend die Theorie der 15-Minuten-Stadt klingt: In der Realität stößt sie oft an Grenzen. Großstädte mit weit verzweigten Randbezirken oder Metropolregionen mit starker Pendlerbewegung lassen sich nicht vollständig nach dem Prinzip der kurzen Wege organisieren. Außerdem gibt es Menschen, die auf ein eigenes Auto angewiesen sind – zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen.
Auf der anderen Seite braucht die Automobilindustrie die Kooperation mit den Städten. Die Akzeptanz neuer Technologien hängt weitgehend von der Politik und der Bereitschaft der Bevölkerung ab, diese zu fördern.
Die Automobilindustrie sollte jetzt die Gunst der Stunde nutzen, über reine Produktentwicklung hinauszudenken – etwa durch multimodale Mobilitätslösungen, automatisierte Shuttle-Systeme oder neue Fahrzeugtypen für den urbanen Raum. Die nachhaltige Stadt braucht Verkehrslösungen, die sicher, inklusiv und bezahlbar sind.
Ein erster Schritt: Die Branche sollte stärker zuhören, welche Art von Mobilität Städte und ihre Bewohner wirklich brauchen – und darauf mit konkreten, sinnvollen Innovationen antworten.
Das Auto wird nicht vollständig aus dem Stadtbild verschwinden, aber seine Rolle wird sich grundlegend verändern. Eine nachhaltige urbane Mobilität erfordert ein Umdenken: weniger Fokus auf das Auto, mehr auf alternative Verkehrsmittel und eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Politik und Gesellschaft. Nur so kann die Stadt der Zukunft lebenswert, klimafreundlich und für alle zugänglich gestaltet werden.