Solange sie verfügbar ist, schafft Verkehrsinfrastruktur Werte.
Wenn ein System jedoch ausfällt, betreffen die Kosten längst nicht mehr nur die Infrastruktureinrichtung: Es fallen Verzögerungen, Störungen und höhere Wartungskosten an, welche die Betreiber, die Bediener:innen, die Nutzer:innen und die Gesellschaft tragen müssen.
RAMS steht für Reliability, Availability, Maintainability and Safety (Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Instandhaltbarkeit und Sicherheit). RAMS bietet Infrastruktureigentümern einen strukturierten Ansatz, der diese Faktoren frühzeitig berücksichtigt, solange sich Entscheidungen noch auf die Ergebnisse auswirken können.
Allen, die Verkehrsprojekte planen, finanzieren oder umsetzen, sind diese Fragen vertraut. Was passiert, wenn bei der Bahn ein Signalsystem ausfällt? Was geschieht, wenn eine Tunnelbelüftungsanlage im falschen Moment ausfällt oder ohne Vorwarnung eine Brücke gesperrt wird? Dies sind zwar technische Herausforderungen, aber auch Fragen der öffentlichen Sicherheit und des öffentlichen Haushaltes. RAMS hilft dabei, diese Probleme anzugehen, bevor sie eintreten – statt erst danach.
Was RAMS für Ihre Projekte bedeutet
Mit RAMS können verschiedene Methoden eingesetzt werden, die dabei helfen, zu verstehen, wie technische Systeme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg funktionieren, vom Entwurf bis über die Jahrzehnte der betrieblichen Nutzung. Jeder Teil beantwortet eine praktische Frage:
- Zuverlässigkeit: Wie wahrscheinlich ist es, dass das System über die Laufzeit und unter realen Bedingungen fehlerfrei funktioniert?
- Verfügbarkeit: Ist das System einsatzbereit, wenn es gebraucht wird? Dies berücksichtigt sowohl die geplante Wartung als auch ungeplante Ausfallzeiten.
- Instandhaltbarkeit: Wie schnell und kosteneffizient kann es wiederhergestellt werden, wenn etwas schiefgeht?
- Sicherheit: Sind Menschen, Anlagen und Betriebsabläufe bei einem Betriebsausfall weiterhin geschützt?
Diese Fragen hängen alle miteinander zusammen. Ein zuverlässiges System, das jedoch schwer instand zu halten ist, verursacht lange Ausfallzeiten. Ein System, das sich leicht reparieren lässt, aber häufig ausfällt, belastet das Betriebsbudget. Die gemeinsame Betrachtung aller vier Aspekte hilft dabei, Investitionen dorthin zu lenken, wo sie den größten Nutzen bringen.
Der wirtschaftliche Aspekt: Was die Zahlen zeigen
In ganz Europa investieren Regierungen in Instandhaltung und Erneuerung, weil die Kosten eines Ausfalles tendenziell höher sind als die Kosten der Prävention. Der Umfang dieser Zusagen macht dies deutlich.
- Im Jahr 2024 investierte Deutschland 20,1 Milliarden EUR in die Schieneninfrastruktur, darunter rund 4,5 Milliarden EUR allein in die Instandhaltung.
- Schweden hat für den Zeitraum 2026–2037 einen nationalen Rahmenplan für Verkehrsinfrastruktur in Höhe von 1,171 Billionen SEK verabschiedet, eine der größten derartigen Verpflichtungen in der Geschichte des Landes. Der Plan sieht 210 Milliarden SEK für die Instandhaltung der Schienen und 354 Milliarden SEK für die Instandhaltung der Straßen vor.
- Norwegen meldete 786 Millionen EUR für die Instandhaltung der Schieneninfrastruktur, was einen Teil eines fortgesetzten Programms für Erneuerungen darstellt.
- Finnland gab 2024 297 Millionen EUR für die Instandhaltung der Schienen und 381 Millionen EUR für die Instandhaltung der Straßen aus.
Das sind keine abstrakten Zahlen. Sie spiegeln wider, dass die öffentliche Hand ein gemeinsames Verständnis davon hat, dass kontinuierliche Investitionen die Leistungsfähigkeit sichern und dass eine aufgeschobene Instandhaltung die Kosten lediglich in die Zukunft verlagert, in der sie meist weiter ansteigen.
Leistungsfähigkeit als Ergebnis von Investitionen
Wo Instandhaltungen und eine strukturierte Planung kontinuierlich fortgeschrieben werden, zeigen sich die Ergebnisse in den Zahlen, die für die Öffentlichkeit wichtig sind.
- Die Schweiz erreichte eine Zugpünktlichkeit von 94,1 % und eine Pünktlichkeit bei den Anschlüssen von 98,6 %.
- Norwegen meldete 2025 für das Schienennetz eine Verfügbarkeit der Infrastruktur von 98,9 %.
- In Schweden kamen 2025 88,6 % von mehr als einer Million Personenzügen pünktlich an, und über 96 % erreichten ihr Ziel innerhalb von 15 min nach Fahrplan.
- Tschechien erreichte 2025 eine Pünktlichkeit von 88,2 %, das beste Ergebnis seit einem Jahrzehnt, wobei 98,5 % der Züge selbst während umfangreicher Erneuerungsarbeiten innerhalb von 15 min ankamen.
Das Muster ist augenfällig: Eine zuverlässige, verfügbare und sichere Infrastruktur senkt die Lebenszykluskosten und bewahrt langfristig ihren Wert. RAMS ist ein Ansatz, der dazu dient, dieses Ziel in messbare Anforderungen zu übersetzen. Diese können in Spezifikationen und Ausschreibungen aufgenommen werden, damit Lieferanten auf definierte Ziele statt auf offene Erwartungen reagieren.
Kosten der Missachtung von RAMS
Störungen haben einen Preis, der weit über die Reparaturkosten hinausgeht. In Schweden werden die Kosten von Verkehrsunfällen auf 2,6 % des BIP geschätzt. Diese Zahl macht sichtbar, was eine enge Budgetbetrachtung oft übersieht: verlorene Zeit, Produktivitätsverluste und Verletzte oder Tote wirken sich noch lange nach dem unmittelbaren Ereignis auf die gesamte Wirtschaft aus.
Auch der Zeitpunkt beeinflusst die Kosten. Ein häufiger, kostspieliger Fehler besteht darin, RAMS als Untersuchung in einer späten Phase statt als frühen Input zu behandeln. Wenn Risiko- und Sicherheitsmaßnahmen bereits in der Vorstudien- und Beschaffungsphase beginnen, machen sie in der Regel nur einen kleinen Anteil des Gesamtbudgets aus. Werden sie in die Zukunft verlagert, ändert sich das Bild schnell. Werden Risiken erst spät erkannt, muss man mit Lieferanten neu verhandeln, Anlagen umbauen und die Dokumentation in Eile erstellen. In der Praxis können verspätete Korrekturen die Arbeiten gegenüber den Kosten bei frühzeitiger Einplanung um ein Vielfaches verteuern. In einigen Fällen darf eine Anlage aus rechtlichen Gründen erst dann eröffnet werden, wenn alle Regeln eingehalten werden – dadurch führen Verzögerungen zu ungenutzten Assets und zu steigenden Kosten.
Die frühzeitige Einbindung von RAMS ermöglicht es Ihnen, Konstruktionsentscheidungen anhand der Lebenszykluskosten abzuwägen, statt nur anhand des Anschaffungspreises. Das bedeutet weniger Überraschungen während der Umsetzung, eine solidere Grundlage für den Vergleich von Angeboten sowie eine Infrastruktur, die über ihre gesamte Nutzungsdauer hinweg wie erwartet funktioniert.
RAMS wird bei einigen der anspruchsvollsten Verkehrseinrichtungen Europas eingesetzt.
- Fehmarnbelt Fixed Link, Dänemark–Deutschland
- Beleuchtungssystem des Flughafens Zürich, Schweiz
- Lötschberg-Basistunnel, Schweiz
Dieser 18 km lange Absenktunnel für Straße und Schiene verbindet die beiden Länder über zwei Straßenröhren und zwei Eisenbahnröhren.
AFRY lieferte RAMS-Analysen für die relevanten elektrischen und mechanischen Systeme und erstellte RAMS-relevante Ausschreibungsunterlagen. Dadurch erhielt der Kunde eine klare, evidenzbasierte Grundlage für die Beschaffung.
Als der Flughafen das Steuerungssystem für seine Start- und Landebahn- und Vorfeldbeleuchtung ersetzte, sollte die Modernisierung erfolgen, ohne dass eine Betriebsunterbrechung erforderlich wurde.
Analysen zu Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Risiko und Lebenszykluskosten identifizierten frühzeitig kritische Ausfallpunkte, Redundanzbedarfe und Ersatzteilstrategien und unterstützten so eine höhere Verfügbarkeit, eine schnellere Störungsbehebung und niedrigere Lebenszykluskosten.
Der 34 km lange Tunnel ist eine zentrale Säule des europäischen Verkehrs: Er verkürzt deutlich die Reisezeit durch die Alpen und verlagert schweren Güterverkehr von der Straße auf umweltfreundliche Hochgeschwindigkeitsbahnen.
AFRY übernimmt die Rolle des Bauherrenberaters und ist für die RAMS-Unterstützung der gesamten bahntechnischen Ausrüstung gemäß SN EN 50126 verantwortlich. Dazu gehören das Erstellen von Ausschreibungsunterlagen, die Prüfung der RAMS-relevanten Ausführungsdokumente des Auftragnehmers sowie die Unterstützung bei Ausführung und Inbetriebnahme.
Kundennutzen: Es wurde sichergestellt, dass RAMS-Anforderungen konsequent in Übereinstimmung mit der Norm berücksichtigt werden und die Grundlage für die Genehmigung geschaffen wurde.
Einhaltung der Vorschriften und öffentliche Rechenschaftspflicht
Verkehrsinfrastruktur unterliegt strengen Sicherheitsanforderungen durch europäische Richtlinien, durch die nationale Gesetzgebung und durch Branchenstandards wie die EN 50126 für Bahnanwendungen. RAMS liefert die strukturierte Grundlage, wie sie von Regulierungsbehörden und Auditoren erwartet wird. Richtig umgesetzt, unterstützt RAMS die Einhaltung der Vorschriften und macht diese leichter nachweisbar.
Dies ist wichtig für die öffentliche Rechenschaftspflicht. Wenn Verfügbarkeitsziele, Risikoprofile und Lebenszykluskostenprognosen in klarer Form darstellt werden können, sind Investitionsentscheidungen leichter zu treffen und leichter zu vertreten. RAMS bietet zudem Ingenieur:innen, Projektteams und Führungskräften einen gemeinsamen Bezugspunkt, der dabei hilft, allgemeine Zusicherungen durch Kennzahlen zu ersetzen, mit denen alle arbeiten können. Für öffentliche Eigentümer, die gegenüber gewählten Amtsträger:innen, Fördermittelgebern und der Öffentlichkeit Rechenschaft ablegen müssen, ist diese nachvollziehbare Dokumentation oft genauso wertvoll wie das technische Ergebnis selbst.
Von der Regeleinhaltung zum Wettbewerbsvorteil
Zukunftsorientierte Infrastruktureigentümer betrachten RAMS zunehmend als mehr denn als eine regulatorische Anforderung. Ein ausgereifter RAMS-Ansatz schafft eine Grundlage für resiliente Infrastruktur, voraussagbare Leistung und nachhaltigen Betrieb. Er ermöglicht es Organisationen, Sicherheit, Servicequalität und Lebenszyklusökonomie miteinander in Einklang zu bringen und zugleich den langfristigen Wert der Anlage zu bewahren.
Für Eigentümer aus dem öffentlichen Sektor liegt der praktische Nutzen eher in der Beständigkeit als in dramatischen Veränderungen. RAMS beseitigt nicht jedes Risiko und verspricht keinesfalls eine Infrastruktur, die niemals ausfällt. RAMS bietet jedoch konsistente Methoden, mit denen sich Risiken verstehen, klare Anforderungen festlegen und Ergebnisse anhand von Nachweisen überprüfen lassen. Über die Lebensdauer eines Assets hinweg führt diese Konsistenz tendenziell zu weniger Überraschungen, zu besser planbaren Budgets und zu Entscheidungen, die Sie einfacher erklären und vertreten können.
Da Infrastruktursysteme zunehmend vernetzter, komplexer und kritischer für die Gesellschaft werden, wird die Fähigkeit, Ausfälle vorherzusehen, anstatt nur darauf zu reagieren, zu einem noch entscheidenderen Wettbewerbsvorteil.
Die Frage ist nicht länger, ob Organisationen es sich leisten können, in RAMS zu investieren.
Es geht darum, ob sie es sich leisten können, es nicht zu tun.
Zentrale Erkenntnis für Infrastruktureigentümer
RAMS ist keine Compliance-Übung, die am Ende eines Projektes erfüllt werden muss. RAMS ist eine Perspektive, die bei frühzeitiger Anwendung beeinflussen kann, welche Entscheidungen Sie treffen, wie viel Ihr Asset im Betrieb kostet und wie überzeugend Sie in den nächsten dreißig Jahren für dessen Sicherheitsnachweis einstehen können.
Organisationen, die dieses Denken vom ersten Tag an in ihren Planungsprozess integrieren, geben durchgängig weniger aus, erleben weniger Überraschungen und können dies belegen – gegenüber Regulierungsbehörden, ihrem Aufsichtsrat und gegenüber der Öffentlichkeit.
Wollen Sie erfahren, wie dies auf Ihre Assets anwendbar ist?
Entdecken Sie die RAMS-Services oder wenden Sie sich an die RAMS-Spezialist:innen von AFRY. Mit ihnen können Sie besprechen, wie ein lebenszyklusorientierter Ansatz dazu beitragen kann, kostspielige Störungen in Ihrem nächsten Infrastrukturprojekt zu reduzieren.