Strengere EU-Vorschriften zu Mikroverunreinigungen, Energie und Klimaresilienz
Die überarbeitete EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) markiert einen grundlegenden Wandel in der Abwasserbewirtschaftung in ganz Europa. Sie erweitert den Geltungsbereich der Vorschriften, führt Anforderungen an die fortgeschrittene Behandlung von Mikroverunreinigungen ein und legt klare Ziele für Energieautarkie und Klimaresilienz fest. Für Versorgungsunternehmen und Kommunen bedeutet dies, dass sie über schrittweise Modernisierungen hinausgehen und zu stärker integrierten und systemweiten Verbesserungen übergehen müssen.
Die überarbeitete EU-Richtline zur Behandlung von kommunalem Abwasser (KARL) stellt die bedeutendste Änderung in der Abwasserregulierung seit über drei Jahrzehnten dar. Sie erweitert den Anwendungsbereich, verschärft die Behandlungsanforderungen und führt neue Vorgaben in Bezug auf Energie, Klimaresilienz und Mikroverunreinigungen ein.
Für Betreiber und Kommunen geht es nicht nur um die Einhaltung der Vorschriften – es geht um einen Wandel. Kläranlagen müssen nun komplexe Stoffe wie Arzneimittel, Mikroplastik und PFAS entfernen und gleichzeitig Emissionen reduzieren, die Energieeffizienz verbessern und mit immer unbeständigeren Niederschlagsmustern umgehen.
Das wirft eine grundlegende Frage auf: Wie können Versorgungsunternehmen ihre alternde Infrastruktur modernisieren und gleichzeitig strengere Umweltziele, knappere Zeitpläne und wachsende Erwartungen der Öffentlichkeit erfüllen?
Die nationale Umsetzungspläne prägen die heutigen Entscheidungen
Die EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) ist bereits in Kraft, und obwohl die nationale Umsetzung erst 2026–2027 erfolgen wird, prägen ihre Anforderungen bereits heute die Projekte. Aufgrund der langen Planungszyklen bei Großinfrastrukturprojekten werden die heute getroffenen Entscheidungen die Einhaltung der Vorschriften über Jahrzehnte hinweg bestimmen.
Gleichzeitig verschärft der Klimawandel extreme Niederschlagsereignisse, während der Druck der Öffentlichkeit und der Regulierungsbehörden in Bezug auf die Wasserqualität weiter zunimmt. Ein Aufschieben von Maßnahmen ist nicht neutral – es erhöht die Kosten, birgt das Risiko der Nichteinhaltung und schränkt die zukünftige Flexibilität ein.
Vorschriften einhalten oder Transformation: Was muss getan werden
Die neue Richtlinie KARL baut auf bestehenden Entwicklungen auf und erfordert besser abgestimmte, systemweite Verbesserungen.
- Eine fortgeschrittene Abwasserbehandlung wird unumgänglich. Die Einführung einer vierten Reinigungsstufe – speziell für Mikroverunreinigungen – erfordert eine sorgfältige Auswahl zwischen Technologien wie Ozonung, Aktivkohle und Membranfiltration. Das sind keine Plug-and-Play-Lösungen; sie müssen in bestehende Prozesse integriert werden, oft unter räumlichen und betrieblichen Einschränkungen.
- Die Anforderungen an die Nährstoffentfernung werden deutlich verschärft. Um Stickstoffentfernungsraten von bis zu 80 % und Phosphorgrenzwerte unter 1 mg/l zu erreichen, sind Prozessoptimierungen, Nachrüstungen und in vielen Fällen eine Neugestaltung der biologischen Reinigungsstufen erforderlich.
- Die Energieautarkie bis 2045 verändert die Rolle von Kläranlagen grundlegend. Anlagen sind nicht mehr nur Energieverbraucher – sie müssen zu Produzenten werden, ja sogar zu energieautarken Anlagen. Dazu gehört die Kombination von Biogasproduktion, Solarenergie und Wärmerückgewinnung aus Abwasser zu kohärenten Energiesystemen.
- Schließlich wird ein integriertes Wassermanagement zur Pflicht. Abwasser und Regenwasser können nicht mehr getrennt behandelt werden. Das System muss einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen – städtische Systeme müssen so ausgelegt sein, dass sie Spitzenabflüsse bewältigen, Hochwasserrisiken verringern und die Reinigungsleistung auch bei Extremereignissen aufrechterhalten.
Die Komplexität liegt in den Wechselwirkungen: Entscheidungen in einem Bereich – wie zum Beispiel bei der fortgeschrittenen Abwasserbehandlung – wirken sich direkt auf den Energiebedarf, die Schlammproduktion und die Betriebsstabilität aus.
Warum AFRY
AFRY verfügt über umfassende Erfahrung in der fortschrittlichen Abwasserbehandlung, einschließlich groß angelegter Ozonisierungsprojekte und Lösungen zur Nährstoffentfernung, die strenge gesetzliche Anforderungen erfüllen. Wir ermöglichen es unseren Kunden, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen, um Energiesysteme – von Biogas über Solarenergie bis hin zur Wärmerückgewinnung – in die Abwasserinfrastruktur zu integrieren.
Mit unserer interdisziplinären Expertise in den Bereichen Wasser, Umwelt, Infrastruktur und Energie helfen wir Versorgungsunternehmen dabei, die Anforderungen der Abwasserbehandlungsrichtlinie in praktische, skalierbare Lösungen umzusetzen.