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Eine Stadt voller Iglus

Future Cities blog #23 - Eine Stadt voller Iglus

Es ist vielleicht nicht die erste Art von Gebäude, die einem in den Sinn kommt, wenn man von Städten spricht, denn Iglus findet man nicht in Städten, sondern in den arktischen Gebieten der nördlichen Hemisphäre der Erde, und zwar hauptsächlich auf Grönland. Nichtsdestotrotz stellt ein aus porösem Schnee gebauter Iglu einen fantastischen Wetterschutz dar. Die Luft im Schnee isoliert genauso gut wie die Luft in der Steinwolle, die in vielen Gebäuden als Wärmedämmung verwendet wird.

Dieser Text wurde ursprünglich in der schwedischen Fachzeitschrift  Teknikdygnet

 

Ein gut gebauter Iglu mit Platz für ein paar Leute kann trotz einer Außentemperatur von ungefähr -40 Grad Celsius eine Innentemperatur von etwa null Grad Celsius beibehalten. Ein Iglu schafft nicht nur eine Wohnmöglichkeit, wenn es richtig kalt ist, sondern hat auch eine Geometrie, die Form einer Kugel, die klügste Form für ein Gebäude bezüglich des Klimas.

Eine intelligente Gebäudeform in Bezug auf das Klima ist eine Form – eine Geometrie –, die zu einem niedrigen Energieverbrauch bei der Beheizung führt. Je kleiner die Klimahülle ist, d. h. die Summe der Flächen der umschließenden Wände und Dächer im Vergleich zur gleichen Geschoßfläche (Summe der Flächen aller Geschoße), desto geringer der Energieverbrauch. Wir haben einen Wert geschaffen, den wir Gebäudeeffizienz nennen (‚byggnadseffektivitet‘ auf Schwedisch), der die Summe der Bodenflächen geteilt durch die Fläche der umschließenden Flächen ist. Je höher dieser Wert ist, desto intelligenter ist die Geometrie in Bezug auf das Klima.

Was also ist nun eine gute Form für ein Gebäude? Ein Drittel der Sozialwohnungen, die in Schweden in den 1960er- und 70er-Jahren gebaut wurden, besteht aus Hochhäusern – schmalen, hohen Gebäuden, was keine gute Form ist. In den 80er-Jahren begann man stattdessen, Gebäude in Würfelform zu errichten, oft mit einem geschlossenen Atrium in der Mitte, was besser war. Ein Zylinder steht für eine wirklich gute Geometrie, und die bestmögliche geometrische Form ist eine Kugel.

Es gibt eine Menge altes Wissen darüber, wie in Gebäuden, die vor Jahrhunderten gebaut wurden, die Wärme erhalten wurde, einschließlich der Frage, wie ein gutes Innenraumklima geschaffen wird, wie man dämmt, wie man im Winter Schnee gegen die Fassade schaufelt sowie die Planung von Gebäuden basierend auf der Himmelsrichtung und der vorherrschenden Windrichtung. Die Vorteile davon, Gebäude in den Boden einzugraben und dort oder an einem Hang zu platzieren, große Fenster nach Süden und kleine nach Norden auszurichten, schwere Baumaterialien entsprechend ihrer Lagerhaltungsfähigkeit auszuwählen, Fensterläden zu montieren usw. Altes Wissen, das in Vergessenheit geraten ist oder jedenfalls nicht mehr angewendet wird.

FC

Vielleicht bis zu 70 Prozent des Energieverbrauchs eines Gebäudes hängen von der richtigen Wahl der Form, der Dämmstärke, der Ausrichtung, der Fensterqualität, der Wahl der Fassade, dem Gewicht, der Windeinwirkung usw. ab oder können durch diese Wahl reduziert werden.  

Der Bau eines klimatisch intelligenten Gebäudes erfolgt in drei Schritten. Der erste Schritt besteht darin, die oben genannten Auswahlen zu treffen. Der zweite Schritt ist die Installation energieeffizienter technischer Systeme, die bedarfsgerecht geregelt werden, wobei überschüssige Energie dorthin transportiert wird, wo ein Energiemangel herrscht. Im dritten Schritt muss sichergestellt werden, dass die Energie, die das Gebäude versorgt, erneuerbar ist.

In einer Stadt muss vieles koordiniert werden – die Platzierung von Gebäuden im Verhältnis zu Straßen, Parks und Plätzen, der Fluss von Menschen und Verkehrsmitteln – so dass eine Stadt, die nur aus Gebäuden mit optimalen Formen besteht, nicht möglich ist.

Einig sind wir uns jedoch darin, dass wir langfristig eine nachhaltigere Stadt schaffen können, wenn wir das Wissen um klimagerechte Gebäude in die Planungsprozesse von Immobilienbesitzern und Kommunen einbringen.

Ich glaube nicht, dass diejenigen, die den ersten Iglu gebaut haben, so vorausschauend waren und erkannt haben, dass die Form heute mehr als anwendbar ist, oder vielleicht waren sie es doch. Aber wäre es nicht aufregend, sich eine Stadt voller Iglus vorzustellen?

Kontakt

Johannes Dölzlmüller

Geschäftsführer, BU Head Transportation Austria, Country Manager Österreich

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